Hilferufe von bayerischen Wirtschaftsschulen

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In den letzten Wochen erreichten mich zahlreiche Schreiben von Wirtschaftsschulen aus allen Regionen Bayerns, denen vermutlich noch weitere folgen werden. Das Thema ist ernst – und daher habe ich jeden einzelnen Hilferuf beantwortet.

Die Sorgen der Schulleiterinnen und Schulleiter kann ich gut nachvollziehen, insbesondere aus der Sicht einer Gleichwertigkeit der dualen Ausbildung. Eine pragmatische Lösung einer dauerhaften Sicherung und Fortentwicklung dieser wirtschaftsorientierten Schulart scheint mir dringend geboten.

Mit der diesbezüglichen Thematik hat sich die Freie Wähler Landtagsfraktion aktuell sehr intensiv befasst und sich intern darauf verständigt, den Wirtschaftsschulen die notwendigen Perspektiven zu eröffnen, um diese für unseren Mittelstand und Dienstleistungsbereich so wichtige Schulart dauerhaft zu manifestieren.

Mein Vorschlag dazu ist: ein Pilotprojekt zu etablieren mit maximal je einer Pilotklasse in der 5. Jahrgangsstufe pro Schule. Dies würde auch die um die Schüler konkurrierenden weiterführenden Schulen in ihrer Existenz nicht nennenswert beeinflussen.

Das Problem, das meiner Fraktion und mir sehr bewusst ist, wenn es bei der Wechselmöglichkeit erst ab der 6. Klasse bleiben sollte: Die 6. Klasse wird zwar unterschiedlich angenommen, aber die familiären Vorentscheidungen beim Übertritt in die 5. Klasse erfolgen oftmals zugunsten anderer weiterführenden Schulen. Eltern sind vielfach nicht bereit, ein Jahr später ihre Kinder wieder aus dem zusammengefundenen Klassenverband herauszulösen, um einen Übertritt zu den Wirtschaftsschulen zu vollziehen.

Schülerinnen und Schüler der Wirtschaftsschulen werden von mittelständischen Betrieben bevorzugt nachgefragt und übernehmen dort vielfach verantwortliche Positionen. Diese Schulen sind vielseitig geschätzt als stark berufsorientierte Bildungseinrichtungen. Insofern werde ich mich nach wie vor zusammen mit meinen Fraktionskolleginnen und -kollegen für das o. g. Pilotprojekt einsetzen und nach der derzeitigen Evaluation gerne für eine Grundsatzentscheidung werben, dass bereits in der 5. Klasse zu den Wirtschaftsschulen gewechselt werden darf. Entsprechende Diskussionen führen wir derzeit sehr intensiv innerhalb der Fraktion.

Natürlich darf eine Lösung nicht zu Lasten der anderen Schulträger erfolgen. Diesbezügliche Forderungen des Gemeinde- und Städtetags sind ebenfalls zu berücksichtigen. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass es doch noch eine einvernehmliche Lösung für alle Beteiligten geben wird.

Aktuell sind wir in dieser Angelegenheit in der Findungsphase mit unserem Koalitionspartner CSU sowie dem Kultusministerium, ob ab nächstem Schuljahr doch noch eine Lösung erfolgen kann, gerne im Sinne meines vorgenannten Vorschlags …

Ihr Heimatabgeordneter
Johann Häusler