Agrarpolitische Exkursion nach Thüringen, Teil 1

Gemeinsam mit meiner Fraktionskollegin Gabi Schmidt und meinem Fraktionskollegen Dr. Leo Herz sowie mit Paul Brüse, dem agrarpolitischen Referenten der Freie-Wähler-Geschäftsstelle und meinem Persönlichen Referenten Peter Grab unternahmen wir eine Exkursion nach Thüringen, um vor allem eine innovative Schweinezuchtanlage der Van Asten Group in Neumark zu besichtigen.

Insbesondere war uns wichtig zu sehen, wie die neuen Vorgaben der Tierhaltungsverordnung sowie Bestimmungen zum Tierwohl umgesetzt werden. Auch interessierte uns das Thema Planungssicherheit – vor allem im Hinblick auf größere betriebliche Investitionen. Der Blick über den (bayerischen) Tellerrand war ebenfalls ausschlaggebend, also die Umsetzung von agrarpolitischen Vorgaben in den neuen Bundesländern am Beispiel von Thüringen.

Die Van Asten Group ist ein Familienbetrieb, der 1974 gegründet wurde und nun in der zweiten Generation geführt wird – einer der Geschäftsführer ist Roland van Asten, der uns freundlicherweise persönlich geführt hat. Van Asten ist Sauenzüchter sowie Erzeuger von Ferkeln und Mastschweinen.

In Thüringen betreibt sein Unternehmen mehrere Biogas- (4.000 kWe) sowie Solarzellen-Anlagen (2.490 kWp), sein Konzern ist zudem an neun weiteren Firmen beteiligt. Nördlich von Bayern zählen fünf Schweinezucht-Standorte zur Van Asten Group: Nordhausen, Uthleben, Immenrode, Gommla und Neumark. Das Portfolio des Agrar-Unternehmens wird vervollständigt durch Ackerbau (1.650 ha), Weideland (350 ha), 140 Mutterkühe, 250 Schafe und ein Futterwerk (40.000 t).

Das Unternehmen basiert auf einem Kreislauf: Die firmeneigenen Felder sowie die Ackerbauer in der Region produzieren Rohstoffe für das Futterwerk, das wiederum die Schweine mit Futter versorgt, deren Gülle in die Biogasanlagen geführt wird, welche einerseits Strom und Wärme für den Betrieb liefern und andererseits Gärreste für die Felder. Das visionäre Ziel von Roland van Asten ist, dass die Biogasanlagen seine Firma baldmöglichst energie-autark und langfristig klimaneutral machen, so dass auch der energetische Kreislauf auf nachhaltige Weise geschlossen wird.

Roland van Asten: „Ziel der Van Asten Group ist es, einen Beitrag zur Lebensmittelversorgung der nächsten Generation zu liefern. Wir wollen dies auf zirkuläre und nachhaltige Weise tun, mit einem expliziten Blick auf die globalen sozialen Entwicklungen.“ Zudem ist dem Unternehmer der Aufbau einer bestmöglichen Gülleaufbereitung in Viehdichte-Regionen wichtig, um wertvolle Rohstoffe wie Stickstoff und Phosphor gezielt zu gewinnen und einzusetzen. In Thüringen ist dieses Thema nicht so bedeutend, da der Viehbestand so gering ist, dass man weit davon entfernt, den Nährstoffkreislauf zu schließen.

Die Van Asten Group züchtet Schweine für 600.000 Haushalte, um sie mit Schweinefleisch zu versorgen. Bei der Mast wendet van Asten das „Balance System Vion“ an, um wegzukommen vom zu mageren Schwein, bei dem der Geschmack fehlt. Im Unternehmen wird ständig daran geforscht, wie man die Qualität des Schweinefleischs verbessert werden kann – in diesem Kontext werden auch schwere Schweine (200+ kg) mit mehr Geschmack gezüchtet. Das gesamte Unternehmen arbeitet jeweils mit neuesten und besten Technologien sowie einer strengen internen Biosecurity. Von den sehr guten Ergebnissen konnten wir uns in den hervorragend gelüfteten Schweineställen persönlich überzeugen – sowohl bei den Ferkel-, wie auch den Sauenställen.

Insgesamt war auffällig, dass gerade die Größe des Betriebs (5.300 Schweine in mehreren Ställen) es ermöglichte, die besten Rahmenbedingungen für die Ferkel und Sauen zu generieren, da nur so viele Technologien (pro Tier) bezahlbar bleiben. Selbst eine eigene Fermentierungsanlage war Bestandteil der persönlichen Führung von Roland van Asten, der uns das einwandfreie Ergebnis verkosten ließ, das unter anderem zu einer besseren Verfügbarkeit von Eiweißen und somit zur Einsparung von Futtermitteln führt.

Die Fermentierung (Aufschluss) bringt eine deutliche Reduzierung von Anbauflächen mit sich und hat darüber hinaus eine Einsparung der Futterkosten um 7,5 Prozent und des Eiweißeinsatzes um 25 %, vornehmlich in Form von Soja, zur Folge. Dies wiederum wirkt sich positiv auf den Klimaschutz, die Geruchsemission und den Flächenverbrauch aus. Diese vorbildliche umweltschonende Wirtschaftsweise ist die Voraussetzung für die Akzeptanz dieses großen Tierhaltungsbetriebes im örtlichen Umfeld und in der Region.

Die beigefügten Fotos veranschaulichen die hoch interessante Betriebsbesichtigung. Vor Betreten und nach Verlassen der Schweineställe mussten wir uns selbstverständlich den strengen betrieblichen Hygienevorgaben unterordnen und uns vollständig ausziehen sowie duschen, um in den Innenbereich zu gelangen. Dort erhielten wir eine komplette betriebseigene Arbeitskleidung samt Stiefeln. Überhaupt war ersichtlich, dass im gesamten Schweinehaltungsbetrieb großer Wert auf die Einhaltung strengster Hygiene-Richtlinien zum Schutz von Tier und Mensch gelegt wird.

Bereitwillig erläuterte van Asten alle Maßnahmen zur Verhinderung von Krankheitserregern und zur Bekämpfung von ASP. Der unwahrscheinlich hohe Hygienestandard in seinem Betrieb zahlt sich ganz offensichtlich aus, wobei eine absolute Sterilität spätestens beim Transport zu einem anderen Betrieb mit möglicherweise anderen Krankheitserregern nicht immer von Vorteil ist. Sehr wohl vorteilhaft sei es jedoch, bei Transporten darauf zu achten, dass die genetischen Linien aus verschiedenen Betrieben andernorts nicht vermischt werden.

Aufgrund der zahlreichen Erkenntnisse, die wir bei unserer agrarpolitischen Arbeit gut werden verwerten können, war die gesamte Besuchsgruppe sehr begeistert und wir bedankten uns alle herzlich bei Roland van Asten, dass er sich trotz seinen zahlreichen Verpflichtungen viele Stunden lang Zeit für uns nahm, bevor wir uns bei einem gemeinsamen und geselligen Abendessen in tief verbundener Freundschaft verabschiedeten. Insbesondere das geschlossene System der Kreislaufwirtschaft eines Großbetriebs war beeindruckend.

Weitere Aspekte unserer Exkursion folgen in einem zweiten Beitrag.

Ihr Heimatabgeordneter
Johann Häusler