Fachgespräch zur Saatkrähenplage

Landtagsabgeordneter Johann Häusler lud ein und zahlreiche Fachleute kamen – auf dem Hof von Jürgen Wörner trafen sich am 15. Juli in Mertingen:
– Präsident Dr. Christian Mikulla, Landesamt für Umwelt (LfU)
– Dr. Annette Freibauer, Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Abt. Ökologischer Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz – i. V. von Präsident Stephan Sedlmayer
– Johann Häusler, MdL
– Peter Grab, Persönlicher Referent von MdL Häusler
– Jürgen Wörner, 1. Vorsitzender des Verbands für landwirtschaftliche Fachschulabsolventen Donau-Ries
– Philipp Schuhmair, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Nördlingen (AELF) – i. V. von Leiter Manfred Faber
– Markus Müller, Bezirksgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV)
– Karlheinz Götz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands Donau-Ries (BBV)
– Bürgermeister Veit Meggle, Mertingen
– Herbert Waschulzik, Landwirt und Biogasbetreiber aus Mertingen
– Michael Näßl, Biolandwirt aus Donauwörth-Nordheim
– Klaus Dorsch, top agrar.

Anlass des Fachgesprächs waren wiederholte und zunehmende Schäden in der Landwirtschaft durch Saatkrähen. Allein in Mertingen wird der Schaden auf mindestens 30.000 Euro geschätzt – bis zu dreimal musste die Aussaat auf den betroffenen Feldern erfolgen, wenngleich ohne nennenswerten Erfolg.

Mit den Vertretern des LfU und der LfL wurden verschiedene Gegenmaßnahmen diskutiert, deren Anwendung allerdings bisher keinen durchschlagenden Erfolg brachte. Über entsprechende Misserfolge berichteten die anwesenden Landwirte ebenso detailliert wie über unzählige – und kostenintensive – Maßnahmen in der Vergangenheit. Frau Dr. Freibauer informierte über aktuelle neue Versuche vor allem mit Beize – die anwesenden Landwirte erklärten sich gerne bereit, auch damit zu experimentieren. Gleichwohl machten sie deutlich, dass die Zeit der Experimente nicht zu lange dauern darf, ohne dass das Grundsatzproblem angepackt wird. Zudem muss dringend nach Lösungen gesucht werden, wie die Landwirte bis zur Gesamtlösung entschädigt werden können. Immerhin nimmt bei Vielen das Saatkrähen-Problem inzwischen existenzvernichtende Ausmaße an, wenn jahrelang keine Gegenmaßnahmen getroffen werden sollten.

Aus Sicht von MdL Häusler liegt das Hauptproblem im Schutzstatus der Saatkrähe, der zumindest in den Gegenden aufgehoben werden müsste, in denen aufgrund der vorhandenen Population nicht mehr von Schutzwürdigkeit gesprochen werden kann. Ähnlich sei es beim Biber, der in besonderen Situationen bzw. in begründeten Fällen durch Allgemeinverfügung der Landratsämter seinen Schutz verlieren kann, wenn er nicht mehr als gefährdet gilt und gleichzeitig große Schäden anrichtet.

Biobauer Näßl machte deutlich, dass Entschädigung nicht alles sei – auch der berufliche Erfolg sei wichtig. Wenn ein Bauer unverschuldet zum wiederholten Mal vor einem zerstörten Feld steht, ginge jegliche Motivation und das berufliche Selbstwertgefühl verloren. Es könne aber nicht sinnig sein, wenn Landwirte in unserer Region am Ende frustriert aufgeben und Platz machen für Importe aus Südamerika, wo zugunsten der Landwirtschaft für die gesamte Umwelt wichtige Regenwälder abgeholzt werden. Mit Bio oder gar Klimaschutz hat das nichts mehr zu tun – der beste Schutz erfolgt vor Ort.

Biogasbetreiber Waschulzik verwies auf Nachfrage darauf, dass er gerne sein Silo überdachen würde, um den Saatkrähen-Schwarm abzuhalten, der sich regelmäßig in seinem Silo bedient. Doch baurechtliche Vorschriften hindern ihn an einer adäquaten Überdachung, so dass auch diesbezüglich keine Lösung in Sicht ist und er bei der wiederholten Saatkräheninvasion hilflos zuschauen muss – sowohl auf seinen Feldern, als auch im Silo.

Die Vertreter des Bauernverbands machten abschließend deutlich, dass bereits zu viel Zeit verloren gegangen sei und deshalb parallel zu weiteren Experimenten mit der Beize auf höchster politischer Ebene eine Gesamtabwägung stattfinden müsse mit dem Ziel einer Lösung, mit der sowohl Landwirte als auch der Naturschutz leben können. Eine hundertprozentige Lösung für alle wird es bei der Komplexität der Zusammenhänge nicht geben, doch gar nichts tun und weiter abwarten wäre fatal. Kreisobmann Götz betonte, dass bei solch großen Vogelkolonien wie in Mertingen gar nichts anderes übrig bleiben würde, als gezielte Vergrämungen/Entnahmen vorzunehmen. Ansonsten könne das Problem gar nicht gelöst werden, da das Futterangebot aufgrund der vorhandenen Agrarstruktur zu reichhaltig sei.

Landtagsabgeordneter Häusler bedankte sich beim Gastgeber Jürgen Wörner und allen Teilnehmern für den mehrstündigen fachlichen Austausch einschließlich einer Vor-Ort-Begehung zur Begutachtung der Schäden. Er verwies darauf, dass die Gesprächsergebnisse bei einem nächste Woche stattfindenden und von ihm erbetenen Spitzentreffen mit Umweltminister Thorsten Glauber einfließen werden.