FW-Fraktionsspitze tagt in Miesbach

Strukturelle Probleme der bäuerlichen Milchviehbetriebe vor Ort diskutiert

Auf Einladung des Vorsitzenden Johann Rauchenberger vom „Zuchtverband für oberbayerisches Alpenfleckvieh Miesbach e. V.“ kamen der Vorsitzende der Freie Wähler Landtagsfraktion Florian Streibl und sein Stellvertreter sowie Agrarfachmann Johann Häusler ins Oberland, um brennende Themen der Milch- und Weidebauern, wie die Anbindehaltung, den Wolfsschutz, die Zuchtrinderexporte in Drittsaaten und die Kälbertransporte mit den betroffenen Bauern und Berufsvertretern zu erörtern.
Zunächst traf man sich zu einem grundsätzlichen Austausch in der Miesbacher Oberlandhalle des Zuchtverbands.

Die Verbandsverantwortlichen, Geschäftsführer Christian Presslaber und sein Vorsitzender Johann Rauchenberger, demonstrierten den Landespolitikern eine bereits seit 120 Jahren bestehende Zuchtrindervermarktung. Das vorbildliche Hygienekonzept der Oberlandhalle sichere die Vermarktung der angedienten Rinder. Die klein- und mittelstrukturierten Milchviehbetriebe dieser Grünlandregion, sowohl im Haupt-, als auch im Nebenerwerb, sind existentiell darauf angewiesen, insbesondere die männlichen, aber auch die überzähligen weiblichen Kälber überregional absetzen zu können. Die sich ständig verschärfenden nationalen Transporteinschränkungen bereiten den Verantwortlichen zunehmend Sorgen, welche die Existenz dieser Familienbetriebe ernsthaft gefährden. Die ehemals traditionellen Absatzgebiete in den Rindermasthochburgen im Raum Freising/Erding sind aufgrund des dort stattgefundenen Strukturwandels, hin zur Flughafenregion, mittlerweile weggebrochen. Die neuen Absatzgebiete für diese Kälber liegen vorwiegend im Westen und Norden Deutschlands.

Um dies vor Ort verständlich zu machen, führte man die Gäste aus dem Landtag zur Familie Gistl nach Greiling bei Bad Tölz mit ihren 35 Fleckviehkühen. Dort werden auch junge Landwirte vom Betriebsleiter im Rahmen ihrer Berufsausbildung praktisch geschult. Im Winter werden die Kühe im Anbindestall gehalten, im Frühjahr können sie auf die Weide. Aus langjähriger Erfahrung mit der Weidehaltung ist für die Familie Gistl der saisonale Wechsel zwischen Anbindestall und Weidehaltung nicht nur eine Frage des Tierwohls, sondern auch zeitsparend. Zudem mache das Zäune umstecken, Kühe holen und das Beobachten der Herde auf der Weide oftmals auch richtig Spaß. Darüber hinaus bauten Sie einen Jungviehstall, so dass die Fresser ab einem Alter von zwölf Wochen einen direkten Zugang zur Weide haben und mit Heu bzw. Kraftfutter lediglich zugefüttert werden müssen. Insgesamt kann festgestellt werden, dass diese Form der Kombinationshaltung vorbildlich auch für andere Milchkühe-Betriebe ist. Bei einem Umstieg von der ganzjährigen Anbindehaltung ist es allerdings von Hof zu Hof je nach örtlichen Voraussetzungen unterschiedlich, ob ein Laufstall oder ein Weidebetrieb mit Anbindehaltung für die Kühe in Frage kommt.

Allerdings: Die komplette Abkehr von jeglicher Art der Anbindehaltung ohne ausreichende Übergangsfristen würde nicht nur das Höfesterben beschleunigen, sondern insbesondere die Kulturlandschaft nachhaltig zum Negativen verändern. Darauf wies beim letzten Treffpunkt der Milchbauer Nikolaus Ertl von den Seiboldhöfen bei Lenggries hin. Auch Ertl betreibt die Kombinationshaltung im Vollerwerb mit derzeit 12 Kühen und insgesamt ca. 40 Rindern. Die Milchkühe werden auf den naheliegenden Wiesen und die Jungrinder auf der betriebseigenen Alm, gut 5 km entfernt, beweidet. Hier wurde den Politikern vor Augen geführt, dass bei solchen Herdengrößen und der vorhandenen Topographie ein entsprechender Herdenschutz gegen die zunehmende Wolfspopulation aussichtslos und nicht realisierbar ist. Eine adäquate Umzäunung ist technisch kaum möglich und viel zu teuer. Auch geeignete Schutzhunde einzusetzen, ist für kleine Betriebe unbezahlbar. Die einzige Alternative gegen zunehmende Wolfsrisse ist deren Bestandskontrolle oder aber die Betriebsaufgabe. Die massivsten Auswirkungen betreffen im letzten Falle den lokalen Tourismus, der von der Kulturlandschaftspflege durch die Almbauern lebt. Dies konnten die Abgeordneten Streibl und Häusler direkt vor der Alm durch den Austausch mit den Wanderern und Einkehrern aus erster Hand erfahren.

Alle Teilnehmer dieses Austauschtreffens und der Betriebsbesuche waren sich darin einig: diese Betriebe sind nicht nur erhaltenswert, sondern von besonderer gesellschafts- und strukturpolitischer Bedeutung. Florian Streibl sagte den Bergbauern und ihren Dienstleistern die Unterstützung der Freie Wähler Landtagsfraktion zu.

(Fotos: Dominik Bartl)