Cocooning-Arbeitspapier der Landtagsfraktion

Als seniorenpolitischer Sprecher der FW-Landtagsfraktion war es mir ein Bedürfnis, baldmöglichst Besuche in Alten- und Pflegeheimen zu ermöglichen, um die soziale Isolation der Bewohnerinnen und Bewohner zu beenden. Dazu habe ich im April ein Cocooning-Konzept forciert, zu dem ich folgenden zusammenfassenden Text verfasste.
 
„Ältere Menschen und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind während der Corona-Epidemie besonders gefährdet. Deshalb bestehen bislang zu deren Schutz in den Alten- und Pflegeeinrichtungen Bayerns Besuchs- und Betretungsverbote. Doch im Zuge der schrittweisen Corona-Lockerungen müssen auch für Senioren und Pflegebedürftige Möglichkeiten der sozialen Interaktion insbesondere mit Angehörigen und Heimbewohnern geschaffen werden. Die Folgen von Besuchs- und Ausgangsbeschränkungen sind für die Bewohner der Pflegeeinrichtungen erheblich! 
 
Eine Arbeitsgruppe der Fraktion befasst sich deshalb mit der Frage, wie stationäre Einrichtungen wieder zugänglich gemacht werden können. In einer ‚Bayerischen 3-Phasen-Strategie‘ wird aufgezeigt, wie speziell bei Risikogruppen Erleichterungen und Sozialkontakte schrittweise umsetzbar wären. Die Aufgabe, die vor uns liegt, ist eine Gratwanderung – auf der einen Seite müssen die alten Menschen geschützt werden, auf der anderen Seite ist eine Lockerung der Beschränkungen inzwischen absolut dringlich. Denn die soziale Isolation wirke sich auf Dauer negativ auf die Gesundheit aus. Auf längere Sicht ist strikte Isolation gerade für vulnerable Ältere Gift. Sie bewegen sich weniger, kommen weniger raus, die psychosoziale Situation verschlechtert sich bis hin zu depressiven Verläufen und Suizidgefahr. Die Selbstbestimmung und die grundgesetzlich garantierten Freiheitsrechte dieser betroffenen Menschen sind sorgfältig mit der gebotenen Fürsorge und dem gesundheitlichen Schutz der Betroffenen abzuwägen und weitmöglichst zu gewährleisten.
Deshalb schlage ich vor, mit gezielten Maßnahmen die Voraussetzungen für eine schrittweise Öffnung der Pflegeheime und Senioreneinrichtungen zu schaffen. Dazu zählen: das Abflachen der Reproduktionszahl deutlich und nachhaltig unter 1 und die Stärkung des Gesundheits- und Pflegesystems, insbesondere im Personalbereich. Außerdem müssten die Risikogruppen besonders geschützt werden – ohne jedoch die Betroffenen vollständig sozial zu isolieren. Wichtigste Voraussetzung dafür: genügend Schutzmasken und Desinfektionsmittel sowie Bluttests. 
 
Unter Beachtung strengster Hygienemaßnahmen halte ich das beschränkte Zulassen von Angehörigen oder Bezugspersonen für verantwortbar. In Absprache mit den Pflegeleitungen könnten Besuchskonzepte für die engsten Angehörigen entwickelt werden – stets unter der Prämisse, dass besonders gefährdete Menschen geschützt seien. Besuche müssten grundsätzlich von der Heimleitung genehmigt und registriert werden. Sie könnten beispielsweise auf einmal wöchentlich und auf maximal 2 Personen, um auch den Enkelkontakt zu ermöglichen, begrenzt werden. Bei aller berechtigten Sorge um unsere älteren Mitmenschen: Soziale Isolation darf es nicht geben. Stattdessen müssen wir eine Kultur der gegenseitigen Rücksicht und der Solidarität – auch zwischen den Generationen – etablieren.“
 
Zusammen mit meinen Kolleginnen MdL Kerstin Radler und MdL Susann Enders erarbeiteten wir für die Landtagsfraktion der FREIEN WÄHLER ein Cocooning-Arbeitspapier, welches auf die anbei abgebildete Kurzfassung der „Bayerischen 3-Phasen-Strategie“ der Landtagsfraktion aufsetzte, um einen Weg unserer Gesellschaft in eine neue Normalität aufzuzeigen.
 
Es freut mich, dass das Bayerische Kabinett in großen Teilen obige Überlegungen übernommen und heute der Öffentlichkeit vorgestellt hat!
 
Ihr Heimatabgeordneter
Johann Häusler

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