Fachgespräch: Ein neuer Weg der Gülleaufbereitung

Landtagsabgeordneter Johann Häusler lud zum agrarpolitischen Fachgespräch am 27. Februar nach Kühlenthal ein

Auf Einladung des Landtagsabgeordneten Johann Häusler informierten sich zahlreiche Landwirte und Fachleute aus dem landwirtschaftlichen Dienstleistungs- und Unternehmensbereich auf dem Anzenhof in Kühlenthal. Zentrales Thema war die Düngemittelverordnung: Was bedeutet sie für die landwirtschaftliche Praxis?

Im Zuge dessen waren die Gülleaufbereitung und die Reduzierung des Nitrateinsatzes das zentrale Gesprächsthema. Gemeinsam mit Franz Kratzer und Oliver Haas konnte Initiator Johann Häusler neben Vertretern des landwirtschaftlichen Unternehmenskreises wie Ulrich Schildenberger (Maschinenring Nordschwaben) und der Fachbehörden, darunter Markus Müller vom Bayerischen Bauernverband, auch Vertreter der Politik begrüßen.

Die Landespolitik wurde vertreten von Dr. Fabian Mehring, Parlamentarischer Geschäftsführer der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, aus dem Landkreis Augsburg waren Landratskandidatin Melanie Schappin (FW) und einige Vertreter der Kommunalpolitik zur Präsentation des Gülleaufbereitungssystems „MoRoPlant20“ und dem anschließenden fachpolitischen Austausch gekommen.

Die topAgrar berichtete bereits im Oktober 2018 unter dem Motto: „Gülle: Trocken nach dem Flocken“. Seitdem wurde Vieles weiterentwickelt. Zum Einen hat das System inzwischen die DLG Prüfung – hier Abscheideraten für Schweine- und Rindergülle – erfolgreich gemeistert (DLG Prüfbericht 6929), auch wurde eine anhängige Prüfung für Biogas-Anlagen absolviert – dies alles unter dem Namen MoRoPlant, wobei der Zusatz „20“ für die mobile Größe eines 20-Fuß-Containers steht und ohne Mühe auch in einen mobilen MoRoPlant40 verwandelt werden kann.

Zum Anderen unterstützt nun offiziell die Firma Flottweg SE aus Vilsbiburg als Vertriebspartner und Anlagenbauer das Projekt. Auch auf Initiative von Landtagsabgeordneten Johann Häusler wurden inzwischen viele Gespräche in Regierungskreisen angebahnt, allen voran mit dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten – hier auch mit Frau Staatsministerin Michaela Kaniber, mit Vertretern aus dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, der Landesanstalt für Landwirtschaft in Bayern, der Regierung von Niederbayern, dem ortsansässigen Landrat aus Landshut, Peter Dreier, sowie einigen weiteren Behörden und Ämtern.

Ebenfalls in Gang gekommen ist die Vermarktung des Feststoffs mit verschiedenen Ansätzen. Besonders herausragend ist, dass aufgrund vielfacher Tests und eines „dauerhaften Einsatzes“ die Kosten der Additive teils drastisch gesenkt werden konnten. So entstehen in einem gesunden Mix in der Sauengülle z. B. Aufbereitungskosten von 9 bis 15 Euro pro Kubikmeter. Erst unlängst berichtete die Augsburger Allgemeine Zeitung ausführlich über dieses Verfahren.

Das System, welches Gülle aufbereitet und diese nachhaltig derart verändert, dass nach der Aufbereitung nicht mehr von Gülle gesprochen werden kann, startet nun in einem Pilotprojekt des Landkreises Landshut und tritt dort den Beweis an, dass die bereits vielfach aufgeführten Punkte zum einfachen Einsatz der flüssigen Phase, eine von beiden Trennungsformen nach der Aufbereitung, in einfachster Form in den Wachstumsperioden auf Ackerflächen ausgebracht werden kann.

Für diese Projektphase sollen, obwohl dies bereits auch schon „privat“ im Rahmen umfangreicher Tests geschehen ist, nun im „Wesentlichen“ folgende Punkte nach BImSchG betrachtet werden:
– Bewertung und Einstufung der flüssigen Phase
– Bewertung und Festlegung der Ausbringfristen
– Betrachtung/Bewertung/Bestätigung der festen Phase hinsichtlich NPK-Dünger und der bodenverbessernden Eigenschaften (Humusaufbau)
– Bewertung der festen Phase in Bezug auf die Düngung für die Folgefrucht nach Ernte der Hauptfrucht (organischer Stickstoff muss erst umgewandelt werden)
– Bewertung und Bestätigung der funktionierenden Anlage im Hinblick auf eine mögliche künftige Förderungswürdigkeit.

Oliver Haas geht es insbesondere darum, den Anlagenbetreibern maximale Sicherheit für den Einsatz dieser Aufbereitungsanlagen vor dem gesetzlichen Hintergrund von z. B. Emissionen zu geben bzw. einen Einsatz dauerhaft zu gewährleisten. Auf Antrag von Johann Häusler und mit massiver Unterstützung des Abgeordneten Dr. Fabian Mehring hat die Landtagsfraktion der Freien Wähler für diese Modellanlage eine Förderung der Bayerischen Staatsregierung in den derzeit laufenden Nachtragshaushalt eingebracht, die auch der Koalitionspartner unterstützt und mitträgt. Dies soll den Weg laut Mehring freimachen, dass künftig innovative und umweltschonende Anlagen förderfähig werden.

Erklärtes Ziel ist allerdings, dass diese Anlagen überbetrieblich eingesetzt werden – beispielsweise über einen Maschinenring – und sich wirtschaftlich selbst tragen.
Laut Häusler ist dieses System insofern zielführend und sinnvoll, weil es im Sinne der Kreislaufwirtschaft dazu dienen soll, anstelle des Zukaufs von industriell produziertem Dünger natürlichen organischen Dünger einzusetzen, der direkt von der Vegetation aufgenommen wird und damit zu einer drastischen Reduzierung von Nitrat im Grundwasser führt.

Neben der Vorstellung der Gülleaufbereitungsanlage nutzte Häusler den Informationsabend auch zu einem intensiven Austausch mit den Landwirten zu drängenden Themen der Agrarpolitik. Das Hauptproblem der Düngeverordnung sieht Häusler darin, dass die ausgewiesenen Messstellen nicht alle repräsentativ sind. Es sollten nicht ausschließlich die bereits vorhandenen Messstellen für die Nitratmessung herangezogen, sondern auch zusätzlich entsprechend seines bereits im bayerischen Landtag beschlossenen Antrags rund 900 weitere Messstellen eingerichtet werden, um eine breitere und abgesicherte Querschnittsbefundung sicherzustellen.

Darüber hinaus sollte die Nährstoffbilanz mit berücksichtigt werden, da die Nitratkonzentration von Niederschlagsmenge und Verdünnung abhängig ist. Des Weiteren will Häusler leidenschaftlich dafür eintreten, dass die fachlich absolut notwendige Zwischenfruchtdüngung im Herbst aus dem Verbot gestrichen wird. Die Zwischenfruchtdüngung sei dringend notwendig für den Humusaufbau, die Förderung des Bodenlebens und den Erosionsschutz durch Winterbedeckung, argumentierte Häusler.

Hinsichtlich der Gewässerrandstreifen wies Häusler darauf hin, dass Landwirte bei Gewässern dritter Ordnung, die nicht dauerhaft wasserführend sind, in Eigenverantwortung festlegen können, ob ein Randstreifen anzulegen ist oder nicht. Diese Regelung gilt bis zu einer endgültigen Klärung durch die Fachbehörden.

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